Wer zahlt die Zukunft? Generationengerechtigkeit auf dem Prüfstand
16. Treffpunkt «Zürich Park Side» vom 24. Juni 2026
Wer trägt die Lasten einer alternden Gesellschaft und wie bleibt unsere Region auch für kommende Generationen ein Ort von Wohlstand, Chancen und hoher Lebensqualität? Der 16. Treffpunkt «Zürich Park Side» widmete sich in diesem Jahr einer Frage von grosser wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Aktualität: der Generationengerechtigkeit. Vertreter*innen aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Bildung trafen sich im Hotel Belvoir in Rüschlikon zum traditionellen Frühstücksevent, organisiert von der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal, dem Arbeitgeberverein Zürichsee-Zimmerberg (AZZ) sowie der Unternehmervereinigung Bezirk Horgen (UVH).
Demografie als wirtschaftliche Schlüsselfrage
Prof. Dr. Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre an der FHNW und Buchautor verschiedener Bestseller, beleuchtete die Frage aus ökonomischer Perspektive. Seine Analyse zeigte deutlich: Die demografische Alterung wird die Schweiz in den kommenden Jahrzehnten stark beschäftigen. Mehr Pensionierte und weniger Erwerbstätige führen zu Finanzierungslücken, insbesondere bei der AHV, aber auch bei Pflege, Gesundheit und weiteren öffentlichen Aufgaben.
Einfache Lösungen gibt es nicht. Die Zahl der Kinder lasse sich kaum politisch steuern, so Binswanger. Auch finanzielle Anreize oder Subventionen hätten nur begrenzte Wirkung auf Geburtenraten. Zuwanderung könne die Sozialwerke stabilisieren, sei aber nur dann langfristig tragfähig, wenn weiterhin genügend junge Erwerbstätige zuwandern und gut in den Arbeitsmarkt integriert werden.
Ein zentraler Hebel liegt deshalb in der Weiterarbeit über 65 hinaus. In der Schweiz sei die Pensionierung mit 65 stark verankert, oft fast als selbstverständlich empfunden. Binswanger plädierte für flexible Lösungen statt starre Altersgrenzen. Wer länger arbeitet, leiste einen Beitrag zur Entschärfung des demografischen Problems. Allerdings müsse dies für Arbeitnehmende und Arbeitgebende finanziell attraktiver werden.
Wohlstand sichern – Arbeitskräfte mobilisieren
Andri Silberschmidt, Nationalrat, Vizepräsident der FDP. Die Liberalen Schweiz und Unternehmer, ergänzte die politische Perspektive. Auch er verwies auf aktuelle demografische Entwicklungen: Erstmals ist in der Schweiz der Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren grösser als jener der unter 20-Jährigen.
Die Folgen sind wirtschaftlich spürbar. Für das Jahr 2050 wird eine Wohlstandslücke prognostiziert: eine BIP-Lücke von rund 50 Milliarden Franken sowie eine BIP-pro-Kopf-Lücke von 7’600 Franken. Um diese Lücke zu schliessen, nannte Silberschmidt drei Hebel: eine höhere Arbeitsintensität, mehr Produktivität sowie eine Verjüngung der Altersstruktur.
In der anschliessenden Diskussion wurde deutlich: Die Frage des Rentenalters bleibt emotional. Gefordert seien nicht pauschale Lösungen, sondern flexible Modelle, Lebensarbeitszeit-Ansätze und bessere Rahmenbedingungen für ältere Arbeitskräfte. Gerade Unternehmen seien gefordert, erfahrene Mitarbeitende nicht zu früh aus dem Arbeitsmarkt zu drängen.
Immobilienmarkt: Zimmerberg bleibt gefragt
In einem ergänzenden Kurzinput präsentierte Niki Thomet, Managing Partner bei Engel & Völkers, aktuelle Entwicklungen auf dem Immobilienmarkt am linken Zürichseeufer. Die Region Zimmerberg bleibt stark nachgefragt – nicht zuletzt wegen der hohen Standortqualität, der internationalen Attraktivität der Schweiz und der anhaltenden Zuwanderung.
Die Preise stiegen im ersten Quartal 2026 weiter: Einfamilienhäuser um 1,9 Prozent, Eigentumswohnungen um 1,8 Prozent. Besonders prägend ist der Neubau: Rund die Hälfte aller Transaktionen entfällt mittlerweile auf Neubauobjekte. Für viele Haushalte des oberen Mittelstands wird Wohneigentum in den Seegemeinden damit zunehmend unerreichbar. Zudem verwies Thomet auf die Übergangsphase bei der Abschaffung des Eigenmietwerts: Dieser gilt noch bis Ende 2028, die Reform tritt per 1. Januar 2029 in Kraft. Für Eigentümer älterer Objekte ergibt sich dadurch eine Phase, in der Renovationen steuerlich noch attraktiver sein können.
Ein grosser Dank gilt den Veranstaltern; dem AZZ, der UVH, der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal, dem Gastgeber Hotel Belvoir sowie dem Hauptsponsor Engel & Völkers.




















