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Staat soll stärker gegen Plastik intervenieren

Wädenswil ZH – Das Problembewusstsein für Plastikmüll ist hoch. Doch sieht sich die Schweizer Bevölkerung laut einer Umfrage von OceanCare nicht in erster Linie in der Verantwortung, das Problem zu lösen. Sie wünscht sich rechtlich bindende Massnahmen und eine internationale Vorreiterrolle des Landes.

Drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer sind der Meinung, dass die Schweiz ein Plastikproblem hat, 25 Prozent bezeichnen es sogar als massiv. Die repräsentative Umfrage wurde von der gemeinnützigen und politisch unabhängigen Organisation OceanCare beim Meinungsforschungs­institut gfs.bern in Auftrag gegeben. OceanCare ist seit 2011 UNO-Sonderberaterin für den Meeresschutz.
Am häufigsten wurden unnötige Plastikverpackungen kritisiert. Auf Rang 2 und 3 folgen Plastikmüll und mangelnde Wiederverwertung. In einer Medienmitteilung bezeichnet es OceanCare als interessant, dass die Kriegsgeneration doppelt so viel CO2 kompensiert wie alle anderen Generationen. Überraschend sei auch, dass 73 Prozent der Befragten Plastik im Meer und an Stränden besorgniserregender finden als Plastik in der heimischen Natur (54 Prozent) oder im Trinkwasser (43 Prozent).
Trotz eines hohen Problembewusstsein ist „mit 93 Prozent die Abfalltrennung die einzige Umweltschutzmassnahme, die in der Mehrheit der Bevölkerung nachhaltig verankert ist“. Nur gut die Hälfte vermeidet Abfall beim Einkaufen (59 Prozent) und verzichtet auf Einwegplastik (54 Prozent). „Aber auch hier ist der Anteil, der dies konsequent umsetzt, vergleichsweise klein.“
Über 50 Prozent der Personen wünscht sich harte Massnahmen und Interventionen per Gesetz, und zwar umso entschiedener, je weiter sie im Parteienspektrum links stehen. Zudem wollen knapp 50 Prozent eine Beteiligung der Schweiz an einem internationalen Abkommen gegen die Verschmutzung durch Plastik.
„Die Problemwahrnehmung der Schweizer Bevölkerung ist hoch, sie sieht sich aber nicht in erster Linie in der Verantwortung, das Plastikproblem zu lösen“, bilanziert die Geschäftsführerin und Leiterin des Plastikprogramms bei OceanCare, Fabienne McLellan. Weitgehende Regelungen wie das 2019 erlassene Verbot von Einwegplastik durch die EU oder deren Green Deal „vermissen wir“. Die Schweiz müsse nun endlich nachziehen. mm

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